Der Haettelihof ist ein lebendiger Organismus. Dieses großartige Geflecht aus Menschen, Tieren, der Boden- und Landschaftspflege positiv auszugestalten und in ein lebendiges Gleichgewicht zu bringen, ist die besondere Aufgabe, die uns als Hof immer wieder von neuem fordert.

Haettelihof
eggs
Haettelihof-EFP-269
Als der Bio-Landbau als zartes Pflänzchen in das Bewusstsein der Bevölkerung rückte, wurde er häufig noch mit ›Alternative Landwirtschaft‹ umschrieben. Diese Alternativen sind heute nötiger denn je.

In der Produktionskette unserer Lebensmittel gibt es meist Gewinner und Verlierer. Auf welchem Rücken der Gewinn ausgetragen wird – Menschen, Tiere oder Boden – ist oft haarsträubend. Für uns ist es elementar, den Weg der Produktionskette so zu gehen, dass es für alle Beteiligten würdig ist. 

Der Haettelihof arbeitet nach den Demeter-Richtlinien. Uns reicht es allerdings nicht, diese guten Regeln einzuhalten. Wir schauen immer wieder mit offenen Augen und Herzen auf die Dinge und gleichen sie mit unseren Wünschen und Ideen ab, wie eine bessere Alternative, eine Weiterentwicklung, aussehen könnte.

Wiesen und Weiden

Zum Hof gehören 57 ha Grünland aller Arten: von Feuchtwiesen bis hin zu mageren Trockenhängen. Die meisten Flächen sind ausgewiesene Schutzgebiete, also Natur-, Landschafts- oder Vogelschutzgebiete. Im Sommer nutzen wir diese entweder als Weide für die Tiere oder zur Futtergewinnung für den Winter.

Landschaftspflege

Ausgangspunkt und Grundlage unserer Landwirtschaft ist seit jeher die „Landschaftspflege“. Dies bedeutet die Sicherung und Entwicklung unserer heimischen Kulturlandschaft und der biologischen Vielfalt durch nachhaltige Landbewirtschaftung unter Berücksichtigung von Naturschutzbelangen. 

Was heißt das konkret? Es geht eben nicht darum, eine möglichst hohe Erntemenge zu erzielen, sondern die Wiesen extensiv, nachhaltig und angepasst zu bewirtschaften. Dies beinhaltet u.a. auch eine extensive Beweidung von sensiblen Flächen. So beweiden wir das Naturschutzgebiet „Bodenseeufer“ zwischen der Insel Mainau und Litzelstetten. Auch die Wiesen im Landschaftsschutzgebiet in Oberdorf werden von unseren Rindern fressend „gepflegt“. 

Beauftragt und fachlich begleitet werden wir in unserer Pflegearbeit durch den Landschaftserhaltungsverband Konstanz e.V. . Mit dem LEV wird ein Konzept des Landes Baden-Württemberg realisiert, das dem Erhalt und der Entwicklung unserer vielfältigen Kulturlandschaft dient, sowie die Verwirklichung der Aufgaben im Naturschutz sicherstellt.

In der konkreten Umsetzungsplanung vor Ort ist das Ingenieurbüro Homburger mit eingebunden.

Rinderhaltung

Je nach Jahreszeit leben 50 bis 60 Kühe, Kälber und Rinder auf dem Hof. Die Sommermonate verbringen die Tiere auf unseren Weiden in den verschiedenen Teilorten von Konstanz. Von Herbst bis Frühjahr stehen sie im sogenannten ‚Zweiraum-Offenfrontstall‘: Die Tiere können sich frei in den zwei Räumen, dem Liegebereich und dem Fressbereich, bewegen. Wir füttern nur Gras und Grasprodukte, das gesamte Rinderfutter stellen wir selbst her. Rinder brauchen kein Kraftfutter, Getreide und keine Maissilage (Stichwort ‚Feed no food‘). Unserer Meinung nach ist es sinnvoller auf dem Acker Lebensmittel für Menschen anzubauen. 

Unsere Rinderhaltung ist auch der wichtigste Düngerlieferant. Im ökologischen Landbau wird nicht die einzelne Pflanze gedüngt, sondern der Boden. Für den Aufbau des Bodenhumus spielen der Mist und der Mistkompost unserer Tiere eine entscheidende Rolle. 

Bei unserer Rinderhaltung stehen zwei Aspekte im Mittelpunkt:

Zum einen betreiben wir Mutterkuhhaltung: das Kalb bleibt nach der Geburt bei seiner Mutter und die Milch der Kuh steht vollständig ihrem Kalb zur Verfügung. Nach etwa zehn Monaten ist das Kalb fast so groß wie seine Mutter und geht seine eigenen Wege. Einige Monate später bekommt die Kuh dann ein neues Kalb. 

Unser zweiter Schwerpunkt ist die Ochsenmast. Die Rinderhaltung ist in den letzten Jahrzehnten immer spezialisierter geworden. Bis in die 50er Jahren gab es noch Dreinutzungsrinder (deren Leistungen lagen gleichermaßen im Bereich Milch, Fleisch und Zugarbeit), heute dominieren spezialisierte Hochleistungsrinder. Hochleistungen im Bereich Milch bedeuten aber gleichzeitig ein geringeres Potential zum Fleischansatz, d.h. die Masteigenschaften dieser Milchrassennachkommen sind sehr gering. Die weiblichen Nachkommen können zur Nachzucht verwendet werden, aber die männlichen Nachkommen, die ‚Bruderkälber‘ werden nach nur 2-3 Wochen dem Viehhändler für spezialisierte Kälbermastbetriebe mitgegeben (mit allen Konsequenzen wie Transportstress, Enthornen, Antibiotikagaben, Intensivmast etc.). Für uns und weitere Demeterbetriebe am Bodensee ist diese Situation nicht mehr akzeptabel. Darum haben wir auf dem Haettelihof in den vergangenen Jahren unsere Mutterkuhhaltung reduziert, um Platz für die Bruderkälber unserer Partnerbetriebe zu schaffen.

DSCF1249
Haettelihof-EFP-287

Hühnerhaltung

In unseren ersten Jahren haben wir nur ein paar Hühner gehalten – zum Eigenbedarf und als Erlebnis für unsere Besucher. Diese äußerten immer wieder Interesse an Eiern vom Hof, so leben wir nun Haus an Stall mit 200 Legehennen im mobilen Hühnerstall. Das Hühnermobil zieht Woche für Woche ins frische Grün weiter – was die Belastung mit potentiellen Krankheitskeimen gering hält.

Unsere Hühner der Rasse „Coffee and Cream“, einer eigenen Hühnerzüchtung von Demeter und Bioland, sind sogenannte ‚Zweinutzungshühner‘. Sie legen zwar weniger Eier, sind dafür aber schwerer und geben somit noch ein gutes Suppenhuhn nach ihrer Legephase ab. Die Bruderhähne können ebenfalls gemästet werden und müssen nicht am 1. Lebenstag getötet werden. Die Tiere fressen mehr Gras, sind gerne auf der Wiese unterwegs und brauchen kein Hochleistungsfutter.

Streuobstwiesen

Der Haettelihof liegt umgeben von Streuobstwiesen. Für unsere Bodenseeregion ist das ein typisches Bild: viele Hochstammbäume, die ‚verstreut‘ auf einer Wiese stehen. Jährlich werden über 200 Bäume beerntet und das Obst zu naturtrübem Apfelsaft verarbeitet und in Flaschen abgefüllt. Bei der Ernte arbeiten wir mit dem BUND Konstanz zusammen. „Wir haben die Bäume, der BUND die Hände“. Die Jahresernte wird dann zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Schafe

Unsere Streuobstwiesen werden nicht nur von unseren Rindern, sondern auch unseren besonderen Schafen beweidet. Die zwei Ouessant-Schafe (bretonische Zwergschafe) gehören zur kleinsten Schafrasse Europas. Sie leben gemeinsam mit zwei Romanov-Schafen, einer alten russischen Rasse und ergänzen unsere Bauernhof-Vielfalt.

Wer mehr über unseren landwirtschaftlichen Alltag erfahren möchte, ist jederzeit herzlich zu einer unserer regelmäßig stattfindenden Hofführungen willkommen!