Ein ganz normaler ‚Schul-Tag‘ am Haettelihof

Seit vielen Jahren besuchen uns Schüler der Buchenbergschule, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (Klasse 1-9). Über ein ganzes Schuljahr hinweg kommt eine ausgewählte Klasse einmal wöchentlich einen Vormittag auf den Hof.

Das schon positiv routinierte morgendliche Treffen beginnt am Haus mit drei motivierten Kindern, die helfen möchten, die notwendigen Dinge für den Vormittag zu transportieren. Sie werden von Maggie, der Hofhündin, lautstark begrüßt und dann begrüßen sie mich. Ich bin Marie, am Haettelihof zuständig für den Bereich LERNEN & FEIERN. Maggi hat einfach das lautere Organ, bis es zu mir durchdringt: „Heute mussten wir einen riesigen Umweg laufen – der Biber hat wieder den Weg überflutet!”

Das Gepäck geschultert, kommen wir im Hof an und begrüßen den Rest der Schulklasse. Hier empfängt mich ein wildes Erzählen über den unwegsamen Weg. Wir machen uns auf zur Heukiste und die Kinder fabulieren über mögliche Menügänge am Feuer. Hier wird auf den Heuballen Platz genommen und gefrühstückt.

Es ist immer interessant, was die Kinder zu essen dabeihaben. Häufig wird sich darüber geärgert, oft geteilt und Tee ausgegeben.

Dann beginnt die Gesprächsrunde. „Ich möchte heute mit … und … und … in der Heukiste spielen und natürlich auch … wenn sie Lust hat.“ „Und ich will Feuer machen“. „Mir geht’s heute nicht so gut. Ich bin müde.” „Mir geht es gut. Ich weiß noch nicht, was ich machen will. Ich freue mich schon auf Pfannkuchen. Und ich will mit … zu den Tieren gehen.” „Können wir heute auf die Heuballen?”

Danach spielen alle in und um die Heukiste: Hängematte, Schaukel, Sand, Heu, Toben, Ruhen, Ankommen.

Das Programm folgt: heute gibt es Pfannkuchen, dafür werden wir eine gute Glut brauchen, das heißt, wir müssen rechtzeitig Feuer machen. Eine Feuergruppe macht sich auf zum Feuerplatz. Holz holen, Turm bauen, Kleinholz platzieren, anzünden, Luft zuwedeln und dann nicht ohne Murren, sicher, die Gruppe nicht hängenlassen zu wollen, das Feuer zu bewachen… Es soll ja die Leibspeise Pfannkuchen geben!

Eine andere Gruppe ist unterwegs bei den Hühnern. Das Ziel, ein Huhn wirklich auf den Arm zu nehmen, wird auf dem Weg diskutiert und noch vor den Routinearbeiten versucht. Sie wollen gerade nicht so recht, deshalb lassen wir die Hühner lieber wieder auf den Boden. Es hat geregnet, deshalb bestehen für die Tiere gute Chancen, einen Regenwurm zu picken. Das scheint ihnen gerade wichtiger zu sein.

Andere Kinder folgen ihren Spielideen, wieder andere haben schon Hunger und rühren deshalb den Teig an.

Später treffen wir uns alle um die Feuerstelle herum. Es hat geklappt, die Glut steht. Es gibt Pfannkuchen mit Zimt & Zucker. Ruckzuck sind sie fertig – einfach und lecker. Zufriedenheit und eine harmonische Stille machen sich breit.

Dann räumen wir auf und gehen zurück zum Startpunkt. „Was wollen wir nächste Woche machen? Wird was gekocht? Schön wars! Gut! Bis nächste Woche!” 

Diese Aufenthalte öffnen für die Kinder oft eine neue Welt. Womit die Kinder sich beschäftigen, konfrontiert sind, was sie mögen, was sie mitnehmen – all das ist so unterschiedlich, wie wir Menschen sind.

Für einen Teil der Kinder ist es wichtig, sich frei bewegen zu können, für andere ist es wichtig, sich in einem anderen Kontext zu erleben, als in der Schule. Die einen lieben den Kontakt zu den Tieren und die entstehende Routine, z.B. beim Hühnermisten. Andere lieben es, Raum zu haben für Ideen und deren Umsetzungsmöglichkeiten. Manche Kinder widmen sich über Wochen demselben Spiel, z.B. in den Büschen einen Unterschlupf zu bauen und Herr ihres Reiches zu sein. Für einige ist die erste Herausforderung, draußen zu sein und sich in einer natürlichen Umgebung zu bewegen, oft öffnet der Kontakt zu den Tieren ein neues Feld.

Das Feuer ist im ganzen Jahresverlauf ein wichtiger Mittelpunkt. Dort wird gebraten und gekocht, vor allem im Winter. Von Spaghetti bis Pfannkuchen, direkt vom Feuer ist alles besonders lecker.

Eine besondere Herausforderung ist es, jede Jahreszeit draußen zu erleben – nicht nur im Sein, sondern auch in der Vorbereitung, z.B. zu lernen, dass es eine andere Kleidung braucht als in der Stadt. Wir pflanzen und ernten, Kartoffeln oder Getreide, und erleben gemeinsam die Kreisläufe der Natur.